Für viele Menschen ist das Prinzip des Netzwerkens eine riesige Herausforderung. Es klingt kompliziert, zeitaufwändig und kostet vor allem anfangs große Überwindung. Ich kenne das nur zu gut, glaub mir.

Ich habe aber auch gelernt, dass Netzwerken gar kein so großes Hexenwerk ist, selbst für eher introvertierte Personen wie mich. Eigentlich ist Netzwerken ein ganz einfaches Prinzip. Denn schon alleine beim Gespräch mit dem Nachbarn betreibst du Networking.

Ja, wirklich: Du hast bereits ein Netzwerk.

Deine Familienmitglieder, deine Verwandten, deine Freunde, Bekannten, Nachbarn und Kollegen – sie sind alle Teil deines bereits bestehenden Netzwerks.

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Denk also daran: auch wenn dein bestehendes Netzwerk aus Familie, Freunden und Kollegen klein ist – du kannst bereits Netzwerken!

Mir hilft es immer, mir das zu vergegenwärtigen.

Noch hilfreicher ist es, mich daran zu erinnern warum Networking für Freelancer und Selbstständige so wichtig ist.

Am Hilfreichsten aber finde ich es zu wissen:

Warum Networking für Introvertierte so anstrengend ist

Small Talk, Oberflächlichkeit und Menschenmassen – der Horror für Introvertierte, aber leider eben oft die ideale Networking-Situation. Es hilft aber zu wissen warum wir am Liebsten die Flucht ergreifen würden. Und dass das einfach ein Teil unserer Persönlichkeit ist. Ein sehr schöner Teil, wie ich finde. Intros ergeben zum Beispiel die besten, loyalsten Freunde.

Wir Intros denken sehr viel nach. Oberflächlichkeit ist uns zuwider – und damit auch der Small Talk. Wir leben für tiefe Begegnungen und intensive Gespräche. Deshalb pflegen wir wenige, aber dafür tiefgründige Beziehungen. Es widerstrebt uns viele Kontakte anzusammeln, die wir nicht intensiv pflegen können.

Wir Intros fühlen uns innerhalb kürzester Zeit in einem lauten, überfüllten Raum überfordert und ausgelaugt, und der Situation nicht mehr gewachsen. Statt auf möglichst viele Personen aktiv zu zu gehen, würden wir am Liebsten davon laufen. Es macht uns einfach keinen Spaß.

Aber da wir jetzt verstehen warum uns Netzwerken so zuwider ist, können wir uns auch selbst dazu überlisten.

Häppchenweise Netzwerken

Der Clou, den ich für mich fürs Netzwerken gefunden habe, ist den Umfang und die Schritte klein zu halten. Starte zum Beispiel mit Social Media, anstatt direkt in die Überreizung einer Netzwerkveranstaltung einzutauchen. Oder nimm dir pro Veranstaltung nur eine handvoll Ziele vor und versuche nicht gleich, mit allen Teilnehmern Freundschaften zu schließen.

Zudem ist gute Vorbereitung der beste Freund eines jeden Intros – auch wenn es ums Netzwerken geht. Und auch deine Vorbereitung kannst du Schritt für Schritt gestalten.

Dein Networking Ziel

Was ist dein eigentliches Ziel beim Netzwerken? Da gibt es nämlich einige:

  • Mehr Traffic auf deiner Webseite (eher Social Media relevant)
  • Kundengewinnung
  • Neue Kontakte knüpfen
  • Dein Wissen erweitern
  • Austausch von Know-How & Erfahrungen
  • Neue Zielgruppen erschließen
  • Reduzierung von Kosten
  • Konkurrenzfähigkeit
  • Über den eigenen Tellerrand hinausschauen
  • Erweiterung deines Leistungsspektrums durch Angebotskopplung
  • Auslastung oder Entlastung von Kapazitäten

Der Profi Netzwerker sieht in jedem neuen Kontakt das Potential für alle diese Ziele. Er checkt souverän und wahrscheinlich komplett unterbewusst ab, wie der neue Kontakt in sein Netzwerk passt oder passen könnte.

Der introvertierte Netzwerker fühlt sich von all diesen Möglichkeiten überfordert – zumindest geht es mir so. Deshalb versuche ich erst gar nicht, irgendwas abzuchecken, gleich einzuordnen oder in Erfahrung zu bringen.

Ich habe mir ein einziges Ziel gesetzt: Kontakte knüpfen und ihnen in Erinnerung bleiben. Der Rest kommt dann später und entwickelt sich.

Ich kann jedem Intro nur empfehlen:

Gehe das Netzwerken mit nur einem oder zwei Zielen im Hinterkopf an. 

Klasse statt Masse

Dieses Netzwerk-Prinzip kommt Intros sogar entgegen: Qualität vor Quantität. Und wenn du deine ein oder zwei Ziele des Netzwerkens kennst, ist dieses Prinzip bei einem Netzwerkevent (oder jedem anderen Event mit vielen potentiellen Kontakten) ganz einfach umzusetzen.

Nehme dir bei dem nächsten solchen Event vor, mit drei Leuten, die du dort kennen lernst, Visitenkarten auszutauschen. Nur drei.

Suche diese drei anhand deiner Ziele fürs Netzwerken aus.

Natürlich wirst du dafür mit ein paar mehr als drei Teilnehmern sprechen müssen. Aber wenn du nicht mit der Zielsetzung reingehst, von jedem neuen Kontakt den du machst die Kontaktdaten zu erhalten, gehst du garantiert entspannter an die Sache ran.

Bei der nächsten Veranstaltung versuchst du dann, 5 Visitenkarten zu tauschen. Bei der nächsten 7, und wieder der nächsten dann 10.

Langsam steigern. Schritt für Schritt. Ein Häppchen nach dem anderen.

Einfach ins Gespräch kommen

Denke daran: die souveränen Profi Netzwerker sind gar nicht so zahlreich, wie es dir erscheinen mag. Du bist nicht der oder die Einzige im Raum, die das Netzwerken Überwindung kostet!

Wenn dir jemand auffällt, der sich auch eher im Hintergrund hält, sprich doch diese Person an. Wahrscheinlich geht es ihm oder ihr wie dir.

Halte es auch einfach damit, wie du jemanden ansprichst. Der erste Satz, den du an andere Teilnehmer richtest, muss nicht vor Intelligenz oder Witz strotzen. Hier ein paar Beispiele, wie du mit anderen Teilnehmern in deiner Nähe ins Gespräch kommen könntest:

  • „Wow, ist das hier voll heute. Mit so vielen Teilnehmern hatte ich gar nicht gerechnet.“
  • „Wie fanden Sie den Vortrag X/Y?“
  • „Ich fand Ihre Frage X/Y in der Diskussionsrunde super; das hatte ich auch nicht richtig verstanden.“
  • „Waren Sie schon öfter hier? Haben Sie Tipps für mich, was ich mir auf keinen Fall entgehen lassen sollte?“
  • „Was interessiert Sie am Meisten an dieser Veranstaltung?“
  • „Welche der Diskussionsrunden hat Ihnen am Besten gefallen?“

Oder biete jemandem, der etwas hilflos aussieht, deine Hilfe an. Das ist auch immer ein guter Aufhänger, selbst wenn sich herausstellt, dass du nicht weiterhelfen kannst.

Social Media

Das Tolle an diesem Zeitalter ist die Leichtigkeit, mit der wir uns mit anderen vernetzen können – mit nur ein paar Klicks. Wir müssen nicht unbedingt in den überfüllten Raum hinein gehen, um unser Netzwerk auszubauen. Social Media Software wie Facebook, LinkedIn, Xing und Pinterest kann uns den physischen Ort vor allem für den Anfang ganz gut ersetzen.

Doch auch online Kontakt mit Unbekannten ist für Intros anfangs oft eine Überwindung. Daher gilt auch hier: denke in Häppchen. Behalte deine Netzwerkziele im Auge und setze auf Klasse statt Masse.

Suche dir zum Beispiel drei Facebook-Gruppen, die deiner Zielsetzung fürs Netzwerken entgegenkommen.

  • Wenn du Erfahrung mit Kollegen austauschen willst, suche Gruppen aus deinem Berufsfeld.
  • Wenn du dein Leistungsspektrum durch Angebotskopplung erweitern willst, finde Gruppen in ähnlichen, angrenzenden Berufsfeldern zu deinem.
  • Wenn du Kunden gewinnen möchtest, trete Gruppen bei in denen dein idealer Kunde sich herumtreibt.

Trete diesen drei ausgesuchten Gruppen bei und dann nimm dir vor, in jeder Gruppe mindestens einmal die Woche einen Beitrag zu posten und zweimal die Woche Beiträge anderer Mitglieder zu kommentieren. Das sind nur neun kurze Postings je Woche – machbar, oder?

Wenn das ein paar Wochen gut läuft, suche dir eine oder zwei weitere Gruppen zum Beitreten und interagiere auch mit deren Mitgliedern. Im Laufe der Zeit lernst du die Mitglieder etwas kennen und findest bald nichts mehr daran, Beiträge zu kommentieren, Fragen zu beantworten oder eigene Beiträge zu posten.

Fazit

Fange klein an und arbeite dich allmählich ans ‚Profi-Networking‚ heran. Setze dir konkrete und erfüllbare Ziele, die dich als introvertierte Person nicht überfordern. Finde den Spaß daran, neue Kontakte zu knüpfen, Kollegen und Kunden kennen zu lernen und Freunde zu machen. Denn es kann tatsächlich Spaß machen!

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